Afrika-Regionaltagung 2009
vendredi 6 février 2009, par Herr M. Ndiaye
Liebe Kolleginnen und Kollegen !
Ich grüße Sie ganz herzlich im Namen des Senegalesischen Deutschlehrer-Verbandes im Sekundarschulwesen und bedanke mich sehr bei den Gästen, die weit gereist sind, um heute an der Afrika-Regionaltagung teilzunehmen.
Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit einem optimistischen Blick über die Situation des Deutschunterrichts in Afrika fasste Herr Rudolf Rode seinen Bericht über die Regionaltagung 2003 in Ghana mit folgenden Wörtern zusammen :
„Dass die Kolleginnen und Kollegen im Allgemeinen unter widrigen Umständen unterrichten, steht außer Zweifel. Beeindruckend sind das Engagement der Lehrkräfte, die großen Schülerzahlen in manch einem afrikanischen Land, besonders in den frankophonen Staaten, und das mitunter hohe Niveau, auf dem die Kolleginnen und Kollegen in Afrika die deutsche Sprache beherrschen“ …
Aber was bewegt uns heute, uns mit dem Thema „Zukunftsperspektiven Deutsch als Fremdsprache in Afrika“ zu befassen ? Inhaltlich in seiner Konzeption begründet sich das heutige Thema durch die Feststellung, dass die Situation des Deutschunterrichts stark bedrängt ist. Eine allgemeine Meinung will den festgestellten Rückgang der Schülerzahlen in Senegal auf den Mangel an Lehrbüchern und an den unzureichenden didaktischen Materialien zurückführen. Diese Lernbedingungen in den senegalesischen Schulen sind vielleicht nicht nur für unser Land typisch, unsere Kollegen haben sicherlich in ihren jeweiligen Staaten mit den gleichen Problemen zu kämpfen.
Eines muss man jedoch gestehen : Deutschland hatte damals vor der Einführung des Lehrbuches „Ihr & Wir“ bis zur Druckgenehmigung die Deutschlehrenden und Lernenden verwöhnt, und ausnahmslos gratis mit Lehrbüchern, Tonträgern und Audiocassetten. Einige Jahre später mussten die Deutschlernenden froh sein, wenn sie noch alte abgenutzte Bücher im Unterricht verwenden konnten. Ein Buch für zwei war das Bild zu sehen in den meisten Deutsch-Klassen und der Unterricht wurde langsam somit schwieriger bis der Lehrer nur ein Exemplar für sich selbst oder gar keins hatte. Inzwischen wurde das Lehrbuch kommerziell subventioniert, aber die finanzielle Lage in den Familien sah nicht besser aus. Viele Familien konnten sich den Ankauf des Lehrbuches für ihre Kinder nicht leisten. „Ich kann ohne Buch nicht unterrichten“ beklagen sich heute die meisten jungen Lehrer und lassen deshalb alle Lesetexte und die gesamte Grammatik bei der Schulverwaltung illegal kopieren oder sie schreiben Texte, Grammatik und Übungen an die Tafel und lassen die Schüler dann die ganze Unterrichtsstunde abschreiben. Nun die Frage : Sollte man diesen Mangel an Lehrbüchern mit dem Mangel an Motivation zum Deutsch lernen bei den Schülern verbinden ? Oder ist das die Frage einer Demotivierung der Deutschlernenden ?
Im Jahre 2001 gab es 104 einheimische Deutschlehrer, die in Senegal unterrichteten. Bis dato wurden die meisten an der Pädagogischen Hochschule (ENS) ausgebildet. Heute unterrichten mehr als 140 Deutschlehrer. Die Zahl der Deutschlehrenden ist inzwischen gestiegen, die der Lernenden geht aber zurück. Ist das ein Wiederspruch ? Für mich ist es eher die Folge einer bildungspolitischen Entscheidung aus dem zehnjährigen Erziehungs- und Ausbildungsprogramm, das mit finanzieller Unterstützung der Weltbank als Ziel hat, bis 2015 eine 100%-tige Einschulung aller Kinder zu erreichen. In dieser Hinsicht musste sich der Staat Erneuerungen überlegen : der Einsatz von Hilfslehrern, am meisten Universitätsabgänger, die ohne Ausbildung direkt an Schulen versetzt werden und unterrichten können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Man könnte die Situation des DU in Senegal aber ganz kurz zusammenfassen : Es gibt keine Lehrbücher und es gibt einen Mangel an Lehrern und einen Rückgang der Deutschlernenden ! Wir müssten aber optimistisch sein, wenn wir über die Zukunftsperspektiven des Faches Deutsch im Rahmen dieser Tagung nachzudenken haben, denn wir können hoffnungsvoll im Projekt „Aktion Afrika“ der Bundesregierung herauslesen : „Afrika ist ein Kontinent der Chancen“ und Deutschland unterstützt ihn dabei, seine – immer noch bestehenden – Probleme eigenverantwortlich zu lösen.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Mamadou Ndiaye Vize-Präsident und Schriftleiter Des Senegalesischen Deutschlehrerverbandes (APASS)