IDT 2009
dimanche 9 août 2009, par Herr M. Ndiaye
Die Entsendung französischer, dann deutscher Deutschlehrer
Die Wurzeln des senegalesischen Deutschunterrichts liegen im französischen Schulsystem. Die ersten französischen Deutschlehrer kamen 1922 in die Kolonie und wurden erst 1968, aufgrund von Sparmaßnahmen der Franzosen durch Deutsche ersetzt. Diese wurden vom Auswärtigen Amt Deutschlands nach Afrika geschickt. Im Jahre 1971 kam es zu einem Höchststand an entsandten Deutschlehrern mit 69 Lehrkräften.
Deutschlehrerausbildung in Senegal
Nach und nach wurden die deutschen Lehrkräfte von afrikanischen abgelöst, was auch das Ziel des Programms war. Die Afrikaner bekamen die Chance mit Hilfe von Stipendien in Deutschland zu DaF-Lehrern ausgebildet zu werden. Gegen Ende dieser Phase begann die Lehrerausbildung für afrikanische Länder auch im eigenen Kontinent, da Lehrerbildungsanstalten in Abidjan, Dakar und Jaunde gegründet wurden. Dadurch sank die Zahl der deutschen Lehrer, aber deutsche Fachberater übernahmen (lediglich)den Bereich der Lehrerfortbildung und der Curriculumsarbeit. Im Jahre 1985 verließ der letzte Deutschlehrer Senegal und 1993 ging auch die letzte deutsche Ortslehrkraft. Im Jahre 2001 gab es 104 einheimische Deutschlehrer, die in Senegal Deutsch unterrichten. Die pädagogische Ausbildung der Deutschlehrer fand an der Ecole Normale Supérieure (ENS) ( die heute in eine FASTEF umbenannt worden ist) statt. Vorausgegangen war dieser Ausbildung ein Studium an der Universität, das vor allem wissenschaftliche und germanistische Grundlagen beinhaltet. An dieser Hochschule standen dann Methodik, Didaktik und Pädagogik im Mittelpunkt. Jedes Jahr wurden zwischen 4 und 7 StudentInnen von einem habilitierten senegalesischen Hochschullehrer ausgebildet. Die Anzahl der Auszubildenden richtete sich nach dem Lehrbedarf des Landes. Ab 1984 musste man an einer Aufnahmeprüfung teilnehmen, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Eine Bewerbungsvoraussetzung war der erfolgreiche Abschluss von mindestens drei Jahren an der Germanistikabteilung der Universität von Dakar. Alle in die pädagogische Hochschule aufgenommenen Bewerber erhielten beim Eintritt eine Anstellungsgarantie als Lehrer. Die Ausbildung erstreckte sich über ein Jahr, wobei der theoretische Teil an der ENS selbst stattfand, der praktische Teil aber an einem Gymnasium absolviert wurde. In den 80er Jahren waren die Abgänger der ENS sehr begehrt. Bis heute erhalten sie sofort den Beamtenstatus. Früher mussten sie sich nach der Ausbildung verpflichten, mindestens 20 Jahre für den Staat zu arbeiten. Einige Politiker hielten diese Anstellungsgarantie für überholt und so hatten die ENS-Bewerber diese Verpflichtung nicht mehr, mussten aber eine positive Abschlussprüfung ablegen, um den Beamtenstatus zu erhalten.
Entwicklungen seit den Strukturanpassungsmaßnahmen seit Mitte der 80er Jahre Es war der Regierung Mitte der 80er Jahre ein Anliegen, der gesamten Bevölkerung eine Ausbildung zu ermöglichen. Es werden aber wegen Strukturanpassung nur wenige Lehrer in der Pädagogischen Hochschule (ENS) ausgebildet. Darum gibt es im gesamten Land einen Lehrermangel und der Staat musste sich in seiner Bildungspolitik Neuerungen in der Lehreraus- und Fortbildung überlegen
PDEF – Zehnjähriges Erziehungs- und Bildungsprogramm
Es gibt seit einigen Jahren ein Programm, das einen qualitativen Unterricht fordert und vor allem das Schulwesen im gesamten Land ausbauen möchte. Vor allem in den ländlichen Gegenden gibt es nur wenige Schulen und auch einen Lehrermangel. Das Projekt wird von verschiedenen Banken und der Regierung unterstützt und hat das Ziel, bis 2015 eine 100-prozentige Einschulung aller Kinder durch eine neue Bildungspolitik zu erreichen. Dazu werden Schulen gebaut und vor allem die Verbesserung der Qualität der Lehreraus- und Fortbildung von „Hilfslehrern“ ( Vacataires) gefördert. Derzeit gibt es elf Akademien in verschiedenen Regionen, die sich um die „neuen“ Lehrer kümmern,
Der Einsatz von „Vacataires“ als Deutschlehrer
Um diesen Lehrermangel kostengünstig zu beheben, hat die Regierung des Senegal folgende Neuerungen auf den Weg gebracht : In jeder Region werden zusätzliche Lehrer ausgebildet, die zwar keinen Beamtenstatus haben, aber trotzdem unterrichten dürfen und eine gute Qualifizierung erhalten. Es handelt sich dabei um Universitätsabgänger. Gibt es in einer Region freie Stellen für Lehrer, können sich diese Universitätsabsolventen mit einer Bewerbung um einen Lehrerposten direkt in der Schulinspektion ihrer Akademie melden und werden kurzfristig ausgebildet. Dies wird am Beispiel der Region Saint-Louis vorgestellt. Die Schulung ist sehr praxisorientiert : es gibt am Anfang eine dreitägige intensive Schulung der Kandidaten (Séminaire d´imprégnation), sie bekommen eine praktische, didaktische Einschulung und profitieren von den Erfahrungen der Ausbildner (CPIs) , danach beginnt der Unterricht mit den Schülern. Diese jungen Lehrer steigen in den Schuldienst und werden von ihren Kollegen in der Schule unterstützt. Zusätzlich hospitiert der Fachinspektor oder der Fachleiter mindestens zweimal monatlich im Unterricht und versucht an den individuellen Problemen der einzelnen Lehrperson zu arbeiten. Gemeinsam wird dann besprochen, in welchen Bereichen es noch Mängel gibt und woran noch mehr gearbeitet werden muss. Nach dem Unterricht werden die Fehler besprochen und eventuell gibt es weitere Schulungen. Für diese Hilfslehrer oder „Vacataires“ , d.h. Lehrer mit zeitlich befristetem Arbeitsvertrag, gibt es sozusagen ein spezielles Aus- und Fortbildungsprogramm, innerhalb dessen Multiplikatoren und Fachinspektoren ein spezielles zweijähriges Betreuungsprogramm inklusive Unterrichtshospitation zusammenstellen und Fortbildungsseminare durchführen.
Gegenwärtige Probleme : Qualifizierung, Lehrerstatus, Absolventenmangel
Der Einsatz von hilfsbedürftigen Lehrenden nimmt ständig zu und die Unterrichtsunterlagen werden knapper. Daher ist eine akademische und pädagogische Aus- und Fortbildung angehender Deutschlehrer unerlässlich, um den DaF-Unterricht konsequenterweise zu verbessern.
Der Verlust des Beamtenstatus geht mit dem Einsatz von unqualifizierten Studierenden als Hilfslehrer. Dies verschlechtert die Situation des Deutschunterrichts in vielen Punkten.
Gegenmaßnahmen : Sommeruniversitäten, bessere Betreuung und Evaluation
Die systematische Begleitung von angehenden Hilfslehrern durch Fortbildungsmodule (zum Beispiel Sommeruniversitäten, Fortbildungslager für junge DeutschlehrerInnen usw.)
Die noch nicht ausgebildeten Hilfslehrer in ihre Unterrichtsplanung und -gestaltung vor allem in Schlüsselfertigkeiten und deren Lernprozesse unterstützen (zum Beispiel durch funktionierende Kommunikationsbeziehungen, intensive Beratungen oder instruierende Begleitseminare)